Bei Drang-Inkontinenz zieht sich die Blasenmuskulatur „zum falschen Zeitpunkt“ zusammen. Es entsteht Harndrang bis hin zum unfreiwilligen Verlust von Urin. Ziel der Therapie ist es demnach, die Blasenmuskulatur dazu zu bringen, zu warten, bis das Wasserlassen wirklich notwendig und erwünscht ist.
Zwei Therapiemaßnahmen werden dabei gemeinsam eingesetzt und führen bei mehr als 80% der Betroffenen zum Erfolg:
1. Einsatz von Medikamenten 2. gezieltes Training des Wasserlassens mit Übungen und einem Tagebuch
Arzneimittel Es gibt verschiedene sehr wirksame Medikamente, die bei Problemen mit Harndrang eingesetzt werden. Sie wirken beruhigend und entspannend auf die Blase und unterdrücken ein zu frühes Zusammenziehen und damit einen Druckanstieg der Blase. Bei niedriger Dosierung und Verwendung moderner Wirkstoffe treten selten Nebenwirkungen auf (etwa Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit).
Training des Wasserlassens Sie können die Blase an bestimmte Uhrzeiten zur Entleerung „gewöhnen“: Indem Sie die Blase zu festgelegten Zeiten in bestimmten Abständen entleeren, passt sie sich genau diesem Rhythmus an und „vergisst" den Drang zwischen diesen Zeiten. Nebenstehend finden Sie ein Blatt aus einem Blasentagebuch, das zur Planung dieses Verhaltenstrainings wichtig ist. In Absprache mir Ihrem Arzt können Sie Ihr Blasentraining beginnen, indem Sie zwei Wochen lang tagsüber exakt alle zwei Stunden zur Toilette gehen. Je nach Ihren individuellen Trink- und Lebensgewohnheiten planen Sie zusätzliche Toilettenbesuche ein – zum Beispiel eine halbe Stunde nach dem Frühstück – jedoch insgesamt nicht mehr als zehn Toilettenbesuche pro Tag. Versuchen Sie trotz Harndrangs, so gut es geht, die festgelegten Zeiten einzuhalten.
Allmählich können Sie die Abstände zwischen den geplanten Toilettenbesuchen vergrößern. Zu diesen festgelegten Zeiten sollten Sie die Toilette immer aufsuchen, auch wenn Sie nicht „müssen“.
"Notfallhaltung"
Tipps zur Beherrschung des Harndrangs Im „Kampf“ gegen den Harndrang ist es für Sie wichtig zu wissen, dass Harndrang praktisch nie länger als 5 Minuten anhält: Stehen Sie diese fünf Minuten durch, haben Sie gewonnen! Suchen Sie auf keinen Fall während des stärksten Harndrangs die Toilette auf, denn Erschütterungen beim Gehen und heftiges Atmen beim Laufen erhöhen den Druck auf die Blase. Setzen Sie sich lieber oder stehen Sie still.
Wenn es Ihnen möglich ist, beugen Sie sich kurz nach vorne, als ob Sie Ihre Schnürsenkel binden wollten: Dies führt häufig dazu, dass der Harndrang sofort nachlässt. Spannen Sie Ihren Beckenboden so gut Sie können an, um Urinverlust zu vermeiden. Ist der Harndrang verflogen, gehen Sie langsam zur Toilette und halten den Beckenboden durch anhaltendes Anspannen weiter geschlossen.
Bei der ganz überwiegenden Zahl der betroffenen Menschen reichen die beschriebenen Maßnahmen in Verbindung mit Medikamenten aus. Bei fehlendem Erfolg ist eine Elektrostimulationsbehandlung sinnvoll. Dazu werden Elektroden verwendet, die gezielt bestimmte Nerven reizen. Dadurch wird verhindert, dass sich die Blasenmuskulatur zu früh zusammenzieht. Ihr Harndrang wird völlig unterdrückt. Nur sehr, sehr selten muss ein größerer Eingriff erwogen werden.