Ungewollter Urinabgang hängt mit Störungen der Funktion der Blase und der Beckenbodenmuskulatur zusammen. In diesem Kapitel lernen Sie die Vorgänge dabei genau kennen.
Der Begriff Inkontinenz leitet sich vom lateinischen Wort „incontinens“ ab. Die deutsche Übersetzung dieses Begriffs bedeutet „nicht bei sich behaltend“. Von Harninkontinenz spricht man, wenn Urin ungewollt aus der Blase abgeht. Der hiervon Betroffene kann nicht mehr bewusst kontrollieren, wann und wo das Wasserlassen stattfindet.
Harninkontinenz ist keine eigenständige Erkrankung. Verschiedene Ursachen und Grunderkrankungen können hierfür verantwortlich sein. Es ist daher wichtig, nach den zugrunde liegenden Faktoren zu suchen. Diese können z.B. vorangegangene Geburten, ein Steinleiden, eine Blasenentzündung oder andere Erkrankungen sein.
Harninkontinenz ein weitverbreitetes Leiden
Inkontinenz ist ein häufiges Problem, das Menschen jeden Alters treffen kann. In der Bundesrepublik Deutschland findet sich eine Harninkontinenz bei mindestens vier Millionen Menschen. Inkontinenz ist bei älteren Menschen wesentlich mehr verbreitet als bei jungen. Jeder Dritte der über 65-Jährigen, die zu Hause wohnen, leidet an Inkontinenz.
Frauen sind von einer Harninkontinenz häufiger betroffen als Männer. Fast jede zweite Frau im Alter zwischen 20 und 50 Jahren kennt den Zustand, wenn Urin bei körperlicher Belastung abgeht.
Die Entleerung der Harnblase eine lebenswichtige Aufgabe des Körpers
Die harnableitenden Wege
Blase und Beckenboden
Um den Vorgang der Inkontinenz zu verstehen, muss man wissen, wie die gesunde Blase funktioniert. Im Folgenden stellen wir Ihnen vor, wie die Harnblase und die Beckenbodenmuskulatur anatomisch aufgebaut sind und was sie leisten müssen. Denn Blase und Beckenbodenmuskulatur spielen für den natürlichen Vorgang des Wasserlassens (Miktion) eine entscheidende Rolle.
Ihre Nieren bilden fortlaufend Urin, unter anderem um die Ausscheidung giftiger Stoffe zu ermöglichen. Der Urin fließt dann aus den Nieren über die beiden Harnleiter in die Harnblase.
Die Blase ist ein sehr dehnbares hohles Organ, in dem der Urin gespeichert wird. Die Harnblase kann etwa einen halben Liter, bei starker Füllung auch über einen Liter fassen. Sie besteht aus mehreren Muskelschichten und ist innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Aus der Blase führt am Blasenhals die Harnröhre.
Am Austritt der Harnröhre aus der Blase sind einige Muskelfasern spiralig angeordnet, sie bilden eine Schlinge und verschließen die Blase. Diese Muskelzüge am Blasenhals werden als innerer Schließmuskel bezeichnet und arbeiten automatisch (reflexgesteuert).
Im weiteren Verlauf tritt die Harnröhre durch die Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskulatur ist wie ein umgedrehter Regenschirm zwischen den Beckenknochen aufgespannt und trägt die Blase und andere Organe des unteren Bauchraums. Die Beckenbodenmuskulatur formt mit mehreren Muskelbündeln den äußeren Schließmuskel für die Blase, der bewusst kontrollierbar ist. Der innere Muskel am Blasenhals und der äußere Schließmuskel der Blase gewährleisten zusammen den Verschluss der Harnblase: Zum Wasserlassen müssen sie erschlaffen, dann kann der Urin ausfließen.
Für ein intaktes Funktionieren der Blase müssen nicht nur die Muskeln der Blase und des Verschlusssystems gesund sein. Auch ihre Nervenversorgung spielt eine wichtige Rolle, weil Nervenimpulse die Muskeltätigkeit steuern. Diese Mechanismen, die die Blase aktivieren und steuern, lernen Sie nun kennen.